Das Buch der Bücher – 100 Werke der Weltliteratur

Ein Buch über Bücher. Ein Buchtipp zu einem Buch, in dem wiederum Bücher empfohlen werden. Verwirrend? Nein, eigentlich nicht.

Denis Scheck, seines Zeichens Literaturkritiker, hat sich hingesetzt und sich Gedanken gemacht. Welche Werke zeichnen für ihn die Weltliteratur aus? Die 100 wichtigsten davon hat er in seinem Buch „Schecks Kanon“ aufgeführt und erklärt, warum das Kinderbuch „Tim und Struppi“ genauso zum Kanon der Weltliteratur zählt wie „Krieg und Frieden“ oder Astrid Lindgrens „Karlsson vom Dach“.

Welche Bücher muss man gelesen haben und warum? Um welche Werke sollte man seine Lese-To-do-Liste erweitern? Auf insgesamt 480 Seiten gibt Scheck seine ganz persönliche Meinung dazu ab. Aufgelockert werden die Erklärungen zudem von 25 Schwarz-Weiß-Illustrationen des Kinderbuchautors und Illustrators Torben Kuhlmann.

„Literatur war für mich immer so etwas wie eine in einen Kuchen eingebackene Feile. Ein Fluchtmittel. Um dem zu entkommen, was den Alltag zum öden Gefängnis macht“, schreibt Scheck in seinem Vorwort. „Literatur liegt mir am Herzen. Deshalb mache ich gern Witze über sie – wie über alles, was mir wichtig ist.“ Und genau dieser Sinn für Humor macht diesen Kanon zu einem besonderen. Auf schnöde Erklärungen, warum ein Werk zur Weltliteratur zählt, wartet man in diesem Buch vergebens.

„Zur Weltliteratur zählt für mich ein Werk dann, wenn es meinen Blick auf die Welt nachhaltig verändert. Wer Sappho oder Ovid, Beckett oder Kafka gelesen hat, sieht sich und seine Umgebung mit anderen Augen als vor der Lektüre. Darin liegt für mich ohnehin das Geheimnis wirklich großer Literatur: Dass sie unsere Weltanschauung verändert“ – und dazu zählen für den Literaturkritiker eben auch „Donald Duck, Gustav Gans und der Maharadscha von Zasterabad“ genauso wie „Shylock, Othello und Desdemona“.

So manch einer wird sich wundern, ob man Namen wie Jonathan Swift, Molière, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky oder Max Frisch überlesen hat. Diese „Dead White European Males“, wie Scheck sie nennt, mussten für Autoren wie Inger Christensen, Clarice Lispector oder Derek Walcott weichen, denn „das Kanon-Spiel kann sehr grausam sein“, sagt Scheck und vergleicht es mit der Frage: „Wenn dein Haus plötzlich in Flammen stünde, wen würdest du retten: Oma, Mama, Papa, deine Schwester oder deinen Hund?“

„Schecks Kanon“ ist eine wilde Aufzählung an Werken. Er klammert Sprach- und Genregrenzen völlig aus und begrenzt sich weder auf deutschsprachige Literatur, noch auf ein bestimmtes Jahrhundert. Stattdessen mischen sich die Genres bunt und vielfältig – Märchen, Krimis, Fantasy, Comic, Science Fiction und bekannte Klassiker zeigen gleichermaßen die Vielseitigkeit der Welt und laden dazu ein, nicht nur den eigenen Horizont zu erweitern, sondern auch sich selbst auf der Reise durch die Welt der Literatur neu zu entdecken.

Der Autor und Literaturkritiker Denis Scheck gründete bereits mit 13 Jahren eine eigene literarische Agentur und war als Herausgeber und literarischer Übersetzer tätig. Lange Zeit arbeitete er als Literaturkritiker im Radio, heute ist er bekannt als Moderator der Fernsehsendungen „Lesenswert“ im SWR und „Druckfrisch“ in der ARD.

„Schecks Kanon – Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur“ ist am 14. Oktober im Piper-Verlag erschienen, umfasst 480 Seiten und ist für 25 Euro im Buchhandel erhältlich.

Marina Liefke

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