Buchtipp: Wie sich ein Schaf ins Leben schleichen kann

Aug 9, 2019 | Buchtipp, DA-News, Dingolfinger Anzeiger

Wie sich ein Schaf ins Leben schleichen kann

Finnische Weisheiten treffen auf ein bayerisches Dorf. Während einer Live-Übertragung sollte der finnische Sportjournalist Matti Mäkinen die Drittplatzierte eines Biathlons – die deutsche Newcomerin Marianna Schneeberger – interviewen. Nur rechnete niemand damit, dass diese ihm vor laufender Kamera die Sprache verschlagen würde. Nach diesem „magischen“ ersten Treffen war es also kein Wunder, dass Matti seine Heimat verließ und mit seiner frisch angetrauten Marie Mäkinen in deren Heimat zog. Zuerst noch als pendelnder, dann als freier Journalist bauten sich die beiden ein kleines schiefes Haus im beschaulichen bayerischen 87-Seelen-Ort und vervollständigten das Familienglück durch ihre finnisch-deutsche Tochter Annu.

Nun ist Annu erwachsen und zu allem Übel alleine im schiefen Elternhaus, nachdem Marie und Matti innerhalb von fünf Monaten unerwartet verstarben. Immer wieder schwelgt sie in Erinnerungen an die finnischen Sprichwörter ihres Vaters und an die schöne Kindheit, die sie in dem kleinen Häuschen erleben durfte. Halt gibt ihr in dieser schweren Zeit ihr bester Freund Lars, der sich darum sorgt, dass die junge Finnin langsam vereinsamt. Um dies zu verhindern, arrangiert er in regelmäßigem Abstand Abendessen bei sich zuhause und lädt einen Junggesellen nach dem anderen dazu ein, doch Annu kann sich für niemanden begeistern.

Wenn sie nicht gerade von zuhause aus an ihren Übersetzungen arbeitet, verbringt sie ihre Zeit aber gerne mit Lars, seiner Frau Birte und deren gemeinsamen Sohn Aron. Aron will Leichtathlet werden und ist ein kleiner Wirbelwind. Für jeden Spaß zu haben, freut er sich auch immer, wenn „Tante“ Annu zu Besuch ist.

Doch dann passiert das Unglück. Am Ende eines gelösten, sonnigen Sommertages findet sich Annu in einem Moment der Unachtsamkeit wieder und verursacht einen tragischen Unfall, dessen Folgen ihr noch lange zu schaffen machen. Zwischen Vernehmungen, einer Gerichtsverhandlung, Dorfbewohnern, die sich allesamt gegen sie verschworen haben und einem besten Freund, der sich von ihr abwendet, taucht plötzlich ein Schaf in Annus verwildertem Garten auf. Was soll sie nur mit diesem Schaf, das immer wieder auf ihr Grundstück zurückkommt, wie ein Bumerang? Nach und nach schleicht sich „Bumerang“ blökend in ihr Leben – und auch in ihr Herz. Doch wie pflegt man so ein Schaf eigentlich? Wo kann es schlafen und was frisst es gerne? Unerwartete Hilfe bekommt sie von einem Rettungssanitäter, der zu dem kleinen „Hauszoo“ letztlich sogar noch einen Hund beisteuert.

Einmal angefangen, kann man den Roman schlecht wieder aus der Hand legen, ohne zu wissen, wie sich die Geschichte um Annu und Bumerang entwickelt. Einfühlsam und nachvollziehbar werden Annus Gefühle und Gedanken in Form von speziellen Kindheitserinnerungen nach und nach aufgearbeitet. Letztlich liegt es doch an der tierischen Hilfe durch Bumerang, Annu wieder zurück ins Leben zu führen und ihr beizubringen, sich selbst zu verzeihen.

„Die Tage mit Bumerang“ ist der vierte Roman von Nina Sahm. Die Autorin ist 1980 in Heilbronn geboren, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Leipzig und Budapest und arbeitet als Verlagsredakteurin. Sie lebt mit Freund und Hund in München und wie sie selbst zugibt, flossen einige Charaktereigenschaften ihres Hundes in die Figur von „Bumerang“ mit ein.

Das Buch ist im Hanserblau-Verlag erschienen, umfasst 240 Seiten und ist für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.

Marina Liefke

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