Im Schatten versteckt sich das Böse

Die Vergangenheit wird man nie so ganz los. Diese Erfahrung muss auch Paul machen, als er nach 25 Jahren in seinen Heimatort zurückkehrt, weil seine Mutter im Sterben liegt. Doch mit seiner Rückkehr stürmen auch die schlechten Erinnerungen aus seiner Kindheit, vor denen er so lange geflohen ist, wieder auf ihn ein. Und eine Sache ist bis heute ungeklärt: Sein ehemaliger Freund Charlie Crabtree wird bis heute spurlos vermisst. Doch Charlie ist nicht einfach nur ein früherer Freund – er gilt als vermeintlicher Mörder. Auf einem Spielplatz soll Charlie Pauls ältesten Freund James getötet haben und da war Paul gerade mal 15 Jahre alt. Der blutbefleckte Spielplatz, die Anschuldigungen und die Ermittlungen – diese Ereignisse haben Paul bis heute nicht losgelassen.

Kaum ist Paul in seiner Heimat angekommen, ereignen sich seltsame Dinge. Nachdem seine Mutter ihm erzählt, es sei jemand auf dem Dachboden gewesen, will Paul dem auf die Spur gehen. Was er vorfindet, ist verstörend: Der gesamte Dachboden ist übersät mit blutig-roten Handabdrücken. Solche Abdrücke sind auch Detective Amanda Beck nicht unbekannt. Unzähliger solcher Abdrücke hat sie schon einmal gesehen – auf steinigem Untergrund verteilt um die Leiche eines ermordeten Kindes.

„Der Schattenmörder“ wechselt geschickt zwischen den Perspektiven. Einmal verfolgt der Leser den Protagonisten Paul in seiner Vergangenheit und erlebt die schrecklichen Erlebnisse um den Mord mit, ein anderes Mal erlebt man Paul 25 Jahre später, wie er mit dem nahenden Tod seiner Mutter zurechtkommen muss. Außerdem kommt noch ein aktueller Handlungsstrang hinzu: Die Ereignisse um Detective Amanda Beck, die einen Kindermord untersucht, der erschreckend an die Tat vor 25 Jahren erinnert.

Aus Pauls Kindheitserzählungen erfährt der Leser mehr über den Mordverdächtigen und Vermissten Charlie Crabtree und wie dieser es schon als kleiner Junge verstand, die Menschen um sich herum geschickt zu manipulieren. Charlie hegte dunkle Gedanken und drohte, auch die anderen Kinder mit in den Abgrund zu ziehen. Dieser Umstand war nicht nur dem damals 15-jährigen Paul klar und doch wurde ihm das Gefühl vermittelt, er müsse sich alleine um dieses Problem kümmern. Paul denkt, man würde ihm vorwerfen, er hätte Charlies Gräueltat verhindern können. Aber wie, wenn er sich doch so alleine gelassen fühlte? Letztlich half nichts, außer die Flucht in ein neues Leben.

Dass seine Rückkehr in die Heimat die alten Geschichten wieder aufwühlt, hätte er allerdings nicht gedacht. Und nicht nur ihm, sondern auch Detective Beck stellt sich die Frage: Wo ist Charlie Crabtree und hat er womöglich das kürzlich gefundene tote Kind auf dem Gewissen?

D„Der Schattenmörder“ ist Alex Norths zweiter Roman. Mit seinem Debüt „Der Kinderflüsterer“ gelang ihm 2019 der große Durchbruch. Sein Erstlingswerk stand nicht nur wochenlang auf der deutschen SPIEGEL-Bestseller-Liste, sondern wurde auch international gefeiert. North ist geboren in Leeds, England und arbeitete nach seinem Philosophie-Studium an der Fakultät für Soziologie und Sozialpolitik, bis er seine Leidenschaft, die Schreiberei, zum Beruf machte. North lebt mit seiner Frau, dem gemeinsamen Sohn und zwei Katzen auch heute noch in seiner Heimatstadt Leeds.

„Der Schattenmörder“ ist am 17. August im blanvalet-Verlag erschienen und für 13 Euro im Buchhandel erhältlich.

Text: Marina Liefke
Bild: Dingolfinger Anzeiger, 22. August 2020

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